Der Fall (von) Facebook oder „Wenn der (Zucker)berg nicht zum Werbekunden kommt … dann geht der Werbekunden halt“

Facebook fällt – v.a.in der Gunst der Werbekunden.

Keine gute Woche war das die letzten Tage für Facebook und Mark Zuckerberg. Sie begann aus Mark Zuckerberg´s Sicht schon mal relativ mies. Der BGH stellte fest, dass sich die goldenen Zeiten des ungehemmten Datensammeln bei den Nutzern (zumindest in Deutschland) zu Ende neigt. Bisher bot Facebook dem geneigten Nutzer zum Thema Datensammlung eine Wahl an, die eigentlich keine war.

Facebook – The (Not So) Social Network

Ganz nach dem „Love it or Leave it“-Prinzip konnte sich der User nur entscheiden entweder ALLE Daten, die er so hinterließ bei Facebook, Giphy, WhatsAPP Instagram und Co. voll und ganz der Mutter Facebook zu überlassen –  Facebook erstellt daraufhin umfassende Nutzerprofile bzw. Käuferprofile, welche sich anschliessend durch den interessierten Werbekunden versilbern). Alternativ konnte der Nutzer nur eben ganz auf eine Nutzung der genannten Plattformen und Anwendungen zu verzichten.

Mark Zuckerberg wird regelrecht abgewatscht

Die gute Nachricht für Facebook bei diesem Urteil mag noch gewesen sein, dass das Gericht Facebook klar DIE Führungsrolle auf dem Social-Media Markt attestierte. Die schlechte war eben, dass es Facebook gleichzeitig abgewatscht hat für den Missbrauch eben selbiger. Das gibt natürlich nicht nur schlechte Presse und dürfte dem Exodus von Facebook Usern noch befeuern. Das Urteil stellt eine lukrative Säule eines ganzen Geschäftsmodells „Facebook“ in Frage und erschwert in Zukunft ein ungehindertes Geschäft mit den Nutzerdaten innerhalb Deutschlands – immerhin dem grössten Markt Europas.

Über 90 Werbekunden stellen Ihre Werbeaktivitäten auf Facebook ein

Aber Facebook verdient noch mit weiteren „Säulen“ sein Geld – es bleiben ja noch die klassischen Werbekunden, DIE Einkommensquelle von Facebook. Aber auch diese scheinen sich dieser Tage geradezu gegen Facebook verschworen zu haben.

COca Cola Werbekunden Facebook
The Coca Cola Company stellt für mindestens einen Monat seine Werbeaktivitäten ein

 

Bisher wähnte sich Zuckerberg eher in der neutralen Rolle des „Informations-Verwalters“ nicht „Information-Gestalters“. Er verwehrte sich (auch konzerninterne) Regelrecht dagegen Verantwortung zu übernehmen für die auf seiner Plattform verbreiteten Hassbotschaften oder Fakenews. Auch die Instrumentalisierung von Facebook für politische Zwecke wurde von ihm meist nur mit einem digitalen „Schulterzucken“ kommentiert.

Don’t blame the Game, blame the player ?

Dieses Credo schimmerte immer gewissermassen durch. Die Player/ oder User sahen dass anders und kehrten der Plattform reihenweise den Rücken. Seit den tragischen Ereignissen um George FLoyd hat die weltweite Protestwelle gegen Rassismus, Hass und Polizeigewalt nun auch die Welt der Großkonzerne erreicht. Die Initiative #StopHateForProfit rief zum Boykott auf listete auf ihrer Site (Stand 28. Juni 2020) namhafte Liste von etwa 90 Unternehmen, die dem Ruf folgten und ihre Werbung auf Facebook (inklusive Instagram) in den USA vorerst einfrieren.

„Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und keinen in den sozialen Medien“

James Quincey, CEO The Coca Cola Company

Der Verlust Werbegiganten wie Coca-Cola, Honda, Unilever, Patagonia oder Starbucks tut auch Facebook richtig weh und macht dem Konzern schmerzhaft bewusst, dass die Zeiten sich ändern und „The Social Network“ Verantwortung tragen und aktiver eintreten muss gegen den Missbrauch von Reichweite und Verbreitung von Hass und nachgewiesenen Lügen im „Social Media“ Universum. Das forderten auch konzerninterne immer lauter werdende Stimmen.

Übrigens, alleine Coca-Cola liess sich Werbeeinblendungen auf Facebooketwa 22 Mio Dollar im Jahr 2019 kosten, Unilever sogar rund 42 Millionen Dollar, laut New York Times.

Wo Einnahmen wegbrechen, da bleibt auch der Börsen-Anleger selten und so verlor Facebook nur an einem Tag (Freitag, den 26. Juni 2020) rund 8 Prozent Börsenwert. Autsch! Das bedeutete eine Verlust von 56 Milliarden (!) Börsenwert und 7 Milliarden weniger für Mark Zuckerberg himself.

Mark Zuckerberg

Bereits am gleichen Tag äußerte sich Mark Zuckerberg in Statement via Livestream und kündigte u.a.folgende Veränderungen an:

  • Facebook werde künftig stärker gegen Hassnachrichten vorgehen
  • Falschmeldung, insbesondere kurz vor der US-Präsidentschaftswahl sollen gelöscht werden
  • Abwertende und hasserfüllte Werbebotschaften bezüglich ethnischer Zugehörigkeit, Religion oder sexuelle Orientierung sollen blockiert werden
  • Posts, die eigentlich nicht den Faceboob-Richtlininen entsprächen, aber von einem prominentem Nutzer veröffentlicht würden und somit nachrichtenrelevant seien, sollen mit einem Hinweis versehen werden.

„Ich stehe gegen Hass und alles, was zu Gewalt anstachelt“

Mark Zuckerberg, CEO Facebook

Bereits in der Vergangenheit wollte Facebook sich seiner Verantwortung mehr stellen, viel passiert war bisher aber wenig bis gar nichts. Hoffen wir das Beste und setzten darauf,, das die „Mutter aller Social Networks“ sich eines Besseren besonnen hat und der gelebte Boykott von Usern, Kunden und Anlegern dazu führt, Hass und Fakenews im virtuellen Raum wesentlich zu reduzieren!

Facebook, Fakten und Fakenews

Die Grenzen zwischen Fake und Fakt verschwimmen zusehends. Hasskommentar und Meinungsäußerung Stehen oft in dem Kommentarräumen nebeneinander, als ob sie das Gleiche seien. 

Hass ist KEINE Meinung, Behauptung kein Argument, ein Gefühl kein Standpunkt. und „Meinungsfreiheit“ bedeutet nicht „Meinungshoheit“. Wer Meinung äußert, der muss auch mit Widerspruch rechnen – wer DAS den Globus umspannende Informations-Netzwerk verwaltet, und am Ausgetauschten verdient, der muss auch Verantwortung für das Ausgetauschte tragen – und auch merklich WIDERSPRECHEN.

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